Der Irak hat eine Regierung
Kein Ende der Gewalt: Anschlag auf britische Soldaten in Basra
20. Mai 2006
Mehr als fünf Monate nach der Wahl hat das irakische Parlament
der ersten permanenten Regierung des Landes seit dem Sturz
Saddam Husseins das Vertrauen ausgesprochen. Das Kabinett, das
der schiitische Ministerpräsident Dschawad al Maliki am Samstag
vorstellte, ist jedoch noch unvollständig. Die wegen der
schlechten Sicherheitslage besonders wichtigen Ressorts Inneres
und Verteidigung blieben noch unbesetzt.
Überschattet wurde die Regierungsbildung von neuer Gewalt:
Wenige Stunden vor der Sitzung starben 22 irakische Zivilisten,
als eine Autobombe in Bagdads Schiiten-Vorstadt Sadr-City
explodierte. 50 weitere Menschen wurden nach Angaben der Polizei
verletzt, zumeist Tagelöhner. Acht Polizisten starben bei einem
Autobombenanschlag nahe der syrischen Grenze. Bei zwei
Selbstmordattentaten in Falludscha und Al-Kaim im Westirak
starben mindestens sechs Menschen.
37 Minister im Kabinett
Nach dem Anschlag in Sadr-City
Die Zeremonie im Parlament wurde am Samstag von Kritik
begleitet. Der Vorsitzende der zweitgrößten sunnitischen Partei
protestierte zu Beginn der Sitzung gegen die Art und Weise, wie
die Posten verteilt wurden. Saleh al Mutlak erklärte, seine
Partei werde sich nicht an der Regierung beteiligen, „weil diese
auf der Basis eines ethnisch-religiösen Proporzsystems gebildet
wurde“. Er werde aber „alles Positive, was von Malikis Regierung
kommt, unterstützen“, sagte er dem Nachrichtensender al Arabija.
Das Innenministerium wird nun kommissarisch von Maliki geleitet,
das Verteidigungsministerium von Salam al Saubai, der zur
sunnitischen Konsensfront gehört. Maliki ernannte Saubai
außerdem zum stellvertretenden Ministerpräsidenten. Zweiter
Stellvertreter wurde der Kurde Barham Saleh. Er soll außerdem
Minister für Nationale Sicherheit sein, bis jemand für diesen
Posten ausgewählt wird. Ölminister wurde der als unabhängig
geltende Schiit Hussein al Schahristani. Außenminister bleibt
der Kurde Hoschiar Sibari. Insgesamt gehören dem Kabinett 37
Minister an. Es ist die erste Regierung seit dem Sturz des
Regimes von Saddam Hussein durch die Amerikaner, die für vier
Jahre im Amt bleiben soll.
„Strategisch auf dem richtigen Weg“
Dschawad al Maliki führt die neue Regierung
Der amerikanische Botschafter im Irak, Zalmay Khalilzad, sprach
am Samstag von einem wichtigen Schritt. „Die irakische Regierung
ist strategisch auf dem richtigen Weg, auch wenn es weiter
taktische Herausforderungen geben wird“, sagte Khalilzad in
Bagdad. Er betonte, daß die Vereinigten Staaten ihre Truppen im
Irak reduzieren wollen.
Auch die britische Außenministerin Margaret Beckett nannte die
Regierungsbildung einen wichtigen Schritt in der demokratischen
Entwicklung des Landes. „Diese Regierung reflektiert die
Vielfalt der Menschen im Irak, und die Zukunft der Demokratie
liegt jetzt in den Händen des irakischen Volkes.“
|